Lehrbeauftragte an Hochschulen: Prekär und skandalös unterbezahlt

sach_anvon Alexander Pistorius, in der GEW-Zeitung von Sachsen-Anhalt (Seite 4)

Ein Lehrauftrag an einer Hochschule begründet kein Dienstverhältnis. In der Regel gelten die Lehrbeauftragten damit als Selbständige, was zur Folge hat, dass sie nicht Mitglied der akademischen Einrichtung sind. Der Idee nach zielte diese explizit nebenberufliche Tätigkeit darauf ab, das Lehrangebot der Hochschulen durch in der Praxis gesammelte Erfahrungen zu ergänzen und zu bereichern.
Die soziale Absicherung erfolgte dabei über die hauptberufliche Beschäftigung. Aufgrund der schlechten Arbeitsmarktsituation sind inzwischen jedoch immer mehr Wissenschaftler gezwungen, ihren Lebensunterhalt aus Lehraufträgen zu bestreiten.
Zwar liegt die Vergütung durchschnittlich bei 25 Euro je Stunde, bezahlt werden jedoch nur die tatsächlich gehaltenen Stunden. Das hat zur Konsequenz, dass bei Krankheit, an Feiertagen und in den Semesterferien kein Geld verdient werden kann. Doch auch Vor- und Nachbereitung zählen nicht als Arbeitszeit, mitunter werden sogar Prüfungserstellung und -abnahme nicht gesondert vergütet. In der Summe kommen Lehrbeauftragte schnell auf einen reellen Stundenlohn von deutlich unter zehn Euro – und müssen daraus noch ihre Beiträge zur Sozialversicherung bezahlen.
Der Grundgedanke einer externen Ergänzung des Lehrangebotes hat sich in den letzten Jahren zunehmend zu einer planmäßigen Abdeckung des regulären Lehrbedarfs entwickelt. In einigen Bereichen der Hochschulen verschiebt sich das Verhältnis von regulär Beschäftigten zu Lehrbeauftragten deutlich.
Dies ist etwa in der Sprachenausbildung verstärkt zu beobachten. Die dort jedes Semester vergebenen Lehraufträge ließen sich schnell in normale Beschäftigungsverhältnisse bspw. als Lehrkräfte für besondere Aufgaben umwandeln. Als Nebeneffekt würden die Lehrkräfte
so auch zu Mitgliedern der Hochschulen – mit allen Rechten und Pflichten. Auch die grassierende Befristung auf lediglich ein Semester könnte damit immerhin etwas gemildert werden.
Dass es auch anders geht, zeigt sich etwa in Berlin. Dort konnten vor einigen Semestern wenigstens partielle Verbesserungen erstritten werden. So sind die Lehrbeauftragten jetzt Mitglieder der Hochschulen und verfügen zumindest über das aktive Wahlrecht. Außerdem können Lehraufträge von vornherein für zwei Semester vergeben werden.
Insgesamt bleibt aber noch viel zu tun. Erste Schritte dazu sind die Information der Öffentlichkeit und der Austausch unter den Betroffenen. Ein breites Bündnis unter Mitwirkung der GEW mobilisiert für den 6. November 2014 im Rahmen eines Aktionstages der Lehrbeauftragten zu einer zentralen Veranstaltung nach Berlin. Parallel dazu sollen in möglichst vielen Städten auch dezentrale Aktionen stattfinden. Die Forderungen sind dabei nach wie vor weitestgehend die gleichen: Erhöhung des Honorars, Vergütung von Prüfungstätigkeiten sowie der Ausbau von Möglichkeiten zur Partizipation an der Hochschule. Am wichtigsten bleibt aber das Ziel, die Lehraufträge überall dort in reguläre Stellen umzuwandeln, wo sie der Absicherung von Daueraufgaben dienen.

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